Fünfhundert Jahre vor Flugzeug, Panzer und Automobil hatte ein Mann sie bereits gezeichnet. In einem Notizbuch, mit der linken Hand, in einem Italienisch, das noch immer die Zukunft zu erahnen scheint. Beim Durchblättern von Leonardos Kodizes hält man einen Moment inne. Nicht wegen der atemberaubenden Schönheit der Linien, sondern wegen etwas Beunruhigenderem: dem Gefühl, Zeichnungen zu betrachten, die nicht in ihre Zeit gehören. Leonardo da Vinci war kein Erfinder. Er war ein Zeitreisender. Und die Welt jagt noch heute seinen Eingebungen nach.

Hier sind die fünf Erfindungen, die mehr als alle anderen zeigen, wie sehr sein Geist auf die Zukunft ausgerichtet war.
1. Die Luftschraube: der erste Hubschrauber der Geschichte
1493 entwarf Leonardo eine Maschine mit einer gigantischen Schraube, die sich durch Rotation in die Luft erheben sollte. Das Prinzip entsprach genau dem des modernen Hubschraubers: Luft wird mit einem Rotor komprimiert, um Auftrieb zu erzeugen. Sie sollte nie fliegen – die Technologie des 15. Jahrhunderts ließ dies nicht zu –, aber die Idee war genial. Es sollte fast 450 Jahre und Igor Sikorsky dauern, bis dieser Traum tatsächlich Wirklichkeit wurde.
2. Der Fallschirm: eine Pyramide aus Segeltuch, die der Schwerkraft entgegenwirkt.
„Wenn ein Mann einen mit Windeln gefüllten Pavillon hat, zwölf Faden breit auf jeder Seite und zwölf hoch, kann er aus jeder beliebigen Höhe unverletzt springen.“ So schrieb Leonardo. Ein pyramidenförmiger Fallschirm, technisch unmöglich für die damalige Zeit, aber mathematisch korrekt. Im Jahr 2000 baute der Fallschirmspringer Adrian Nicholas ihn nach Leonardos exakten Maßen und sprang erfolgreich. Fünfhundert Jahre später funktionierte er.
3. Der Panzer: Der Krieg der Zukunft – entworfen in der Renaissance
Eine schildkrötenförmige Panzerplattform, bewaffnet mit 360-Grad-Kanonen, angetrieben von acht Mann über Zahnräder. Wir schreiben das Jahr 1487, und Leonardo da Vinci hatte bereits den Panzer entworfen, der erst im Ersten Weltkrieg auf dem Schlachtfeld zum Einsatz kommen sollte. Das wahre Genie liegt nicht in der Form, sondern in der Idee, Soldaten mit einer mobilen Panzerung zu schützen – ein Konzept, das die Geschichte der Kriegsführung für immer verändern sollte.
4. Der Taucheranzug: Die Unterwasserwelt erkunden
Stellen Sie sich Venedig vor, bedroht von einer feindlichen Flotte. Leonardo schlägt eine Lösung vor: Taucher, die Schiffe von unten angreifen können. Er entwirft einen Taucheranzug aus Leder mit Atemschläuchen, die mit einer Auftriebshilfe und einem Urinbeutel verbunden sind, da ein Tauchgang lange dauern kann. Aus Angst vor einem Kriegseinsatz weigerte er sich sogar, Details preiszugeben. Ein ethisches Gewissen, fünf Jahrhunderte vor unserer Technologiedebatte.
5. Das Automobil: das erste selbstfahrende Fahrzeug der Geschichte
Eine hölzerne, pferdelose Maschine, die sich dank eines Systems gespannter Federn selbstständig fortbewegen kann. Sie kann sogar autonom lenken. Im Grunde ist sie der erste Prototyp eines Automobils – und zugleich der erste selbstfahrende Roboter. 2004 baute das Wissenschaftsmuseum in Florenz eine funktionsfähige Nachbildung: Leonardo hatte mit jeder einzelnen Zahnradprognose Recht.
Leonardo hat nicht nur den Hubschrauber oder den Fallschirm erfunden. Er hat ein für alle Mal die italienische Art, in die Zukunft zu blicken, erfunden: mit Staunen, mit Mut und mit der Gewissheit, dass Schönheit und Wissenschaft letztlich ein und dasselbe sind.